Atemschutzausbildung in der FF Vockenhausen


Übung im Juli 2002

Aufbau der Übung

Die Übung bestand aus 3 Teilen:
- einem Theorieteil
- Praxisübungen
- Abschluss unter "realistischen" Bedingungen

Im Theorieteil wurden die Themen Pyrolyse und Rauchdurchzündung, die im Winter schon innerhalb einer Theorieübung von Rainer und mir behandelt wurden, noch einmal aufgearbeitet. Außerdem wurde auf Rauchgaskühlung und Löschtechniken im Innenangriff eingegangen.

Nachdem Jan diesen Teil abgeschlossen hatte, ging es zur alten Lederfabrik, wo einige Gewöhnungsübungen mit den Hohlstrahlrohren gemacht wurden. Dabei ging es hauptsächlich darum, ein Gefühl für die Strahlbilder bei verschiedenen Strahlrohrstellungen zu bekommen. Schon hier zeigte sich, dass die Bedienung der Rohre (Typ Unifire 10c) keinesfalls so problemlos ist, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Die Übungen waren nichts besonderes. Jeder Teilnehmer bekam die Möglichkeit, sich mit der Bedienung des Rohres vertraut zu machen, solange sie/er es für nötig hielt.

Nachdem das geschafft war, wurde das Öffnen von Türen unter gleichzeitiger Wasserabgabe durch den Trupppartner in den Brandraum geübt. Dies geschah in Zweiertrupps wechselweise, so dass jeder die Tür öffnen musste und jeder in die Gelegenheit kam, als Strahlrohrführer tätig zu werden. Die Übung wurde solange wiederholt, bis der Trupp ein zufriedenstellendes Ergebnis erzielt hatte.

In der darauffolgenden Pause wurde in einem kurzen Gespräch noch einmal auf die Thematik "Schutzkleidung" eingegangen. Ich versuchte den Teilnehmern klar zu machen, dass unsere Schutzkleidung immer komplett getragen werden muss. Allerdings wieß ich auch genauso darauf hin, dass die Kleidung nicht nur Vorteile hat, sondern auch gewissen Risiken birgt(Dazu wird demnächst ein eigenes Kapitel entstehen). Diese dürfen allerdings nie als Ausrede für eine unvollständige Schutzkleidung herhalten. Vielmehr muss an die Vernunft von GF und AGT appelliert werden, mit diesen Risiken sorgsam umzugehen.

Zum Abschluss der Übung wurde von den Teilnehmern eine Strecke durchquert, die 2 Türen und eine Treppe beinhaltete. Um die Sache zu erschweren, wurden die Masken mit Folie abgeklebt, wodurch eine fast Nullsicht Situation entstand. Die Fabrik war am Tag vorher von uns mit Hilfe von Brettern und anderen Hilfsmitteln komplett verdunkelt worden. In einem kleinen Raum mussten die Teilnehmer dann 2 Schaummittelkanister finden. In diesem Raum befand sich zusätzlich ein Stroboskop, um ein wenig Streß herauf zu beschwören. Auf ihrer Strecke wurden die Teilnehmer durch pyrotechnische Effekte, die von Jörg, Rainer und Jan erzeugt wurden begleitet. Die JF Vockenhausen sorgte lautstark für eine akustische Untermalung. Wie sich zeigen sollte, war der Versuch, Streß zu erzeugen, durchaus erfolgreich.

Übungsablauf

Organisatorisch verlief die Übung fast wie geplant. Naja, beim zweiten Termin verstarb ein Hohlstrahlrohr (aus unerfindlichen Gründen... traurig eigentlich). Daher waren wir da gezwungen, alle Trupps durch die gleiche Strecke zu jagen, was einen erheblich höheren Zeitaufwand zur Folge hatte.

Die Gewöhnungsübungen wurden von den Meisten mit Interesse wahrgenommen und es zeigte sich, dass diese durchaus sinnvoll waren. Das richtige Strahlbild läßt sich mit den Rohren nur recht schwierig auf Anhieb einstellen. Einige waren allerdings der Meinung, diese Übungen nicht zu benötigen. Bei den abschließenden Übungen unter "Null Sicht" zeigte sich allerdings, dass diejenigen meistens das Strahlrohr im Vollstrahl oder Mannschutzbrausenbetrieb einsetzten. Stellungen, die im Realfall mehr als ungünstig sind.

Die Abschlussübungen verliefen relativ gut. Fehler traten bei jedem Trupp mehr oder weniger gravierend auf. Bei einem Trupp gab es starke Streßreaktionen. Diese wurden zum Anlass genommen, bei den Gruppenführern einen Umdenkprozeß, was die Zusammensetzung von AS - Trupps an der Einsatzstelle angeht, anzustoßen. Übungen sind meiner Meinung nach dazu da, solche Dinge zu bemerken und auch durch Ausbildung und taktisches Umdenken darauf zu reagieren. Vorwürfe kann man daraus niemandem machen. Dazu zu schweigen nutzt aber auch niemandem etwas.

Wenn ich das hier so veröffentliche, dann nicht, um damit irgendwen bloß zu stellen, jemandem Vorwürfe zu machen (kann man nicht. Streßreaktion ist normal und kann bei jedem auftauchen) oder die Ausbildung der FF Vockenhausen schlecht zu machen (was sie definitiv nicht ist), sondern um darauf aufmerksam zu machen, dass es Situationen geben kann, in denen so ein Innenangriff eben nicht optimal verläuft. Dieses kann man in Übungen provozieren, und dann seine Schlüsse für den Einsatzfall und die weitere Ausbildung daraus ziehen.

Resume

Alles in Allem gibt es aus den Übungen ein großes Resume zu ziehen: Es gibt noch viel zu tun. Der Umgang mit den Hohlstrahlrohren funktionierte an dem Abend zufriedenstellend, was allerdings auch auf die vorherigen Gewöhnungsübungen zurück zu führen ist. Zu Beginn dieser Übungen sah die Sache allerdings nicht ganz so rosig aus. Das Strahlbild war selten in einer zufriedenstellenden Form. Meistens verblieb es in der Mannschutzbrause, oder man schoss über das Ziel hinaus und hatte nunmehr einen Vollstrahl. Nach einiger Übung klappte die Bedienung dann aber zufriedenstellend. Die Übungen mit Türöffnung klappten nach einiger Eingewöhnung ebenfalls zufriedenstellend.

Die Abschlußübung war aufschlussreich. Es zeigte sich, dass diejenigen, die sich vorher mit den Rohren vertraut gemacht hatten, auch unter minimalsten Sichtbedingungen recht gut und souverän damit umgingen. Mehr Probleme machte allerdings manchen Kameraden die Tatsache, dass sie nichts sahen und dabei noch visuell und durch Geräusche unter Streß gesetzt wurden. Die daraus resultierenden Streßreaktionen haben meiner Meinung nach was mit mangelndem Vertrauen in die eigene Ausrüstung und einfach zu wenig Praxis zu tun. Übungssituationen sind in der Regel zu einfach zu meistern. Björn hat auf seiner Seite einige gute Vorschläge zum Training von Streßsituationen gemacht. Jeder sollte sich aber auch mal Gedanken darüber machen, ob man die Situation trainieren sollte, wenn der Truppmann in Panik verfällt. Wenn mir dazu was vernünftiges einfällt, veröffentliche ich das.

Bei dieser Übung soll es nicht bleiben. In etwas abgewandelter Form möchte ich sie mindestens einmal jährlich durchführen. Ich habe einiges dazu gelernt und auch einige andere Kameraden bringen mittlerweile Erfahrungen mit, die in die Ausbildung mit einfließen müssen. Desweiteren denke ich über eine Ganztagesübung zum Thema "Atemschutz" nach. Hierbei sollen auch die Themen "Suchen" und "Kameradenrettung" einmal intensiver betrachtet werden.

Verwendete Materialien

Anhand untenstehender Auflistung lässt sich erkennen, dass die Übung mit geringem Materialaufwand realisierbar war. Personell war die Übung mit 4 Ausbildern (Jan, Rainer, Jörg und ich) schon eher als aufwändig zu bezeichnen. Die Ausbilder waren allerdings auch nötig, um das Vorgehen der Trupps in allen Bereichen vernünftig beurteilen zu können. Nur so war eine gute Abschlußbesprechung möglich, von der die Kameraden auch etwas haben.

2 Hohlstrahlrohre incl C- Leitung
2 Verteiler
8 PA
LF 16 und TLF 16
Folie zum Verkleben der Masken
Stroboskopblitzer
Abfallmaterialien, die in der Lederfabrik vorhanden waren
2 Schaummittelkanister